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Wo
stehe ich? Wie viele Fahrstunden brauche ich noch? Wann kann ich zur
Prüfung? Wenn auf solche Fragen wachsweiche Antworten folgen, steigt
der Fahrschüler frustriert aus dem Auto. Ganz anders hingegen, wenn
der Fahrlehrer den momentanen Ausbildungsstand verständlich darlegt
und eine einleuchtende Diagnose über den weiteren Verlauf abgibt.
Wer darin firm ist, hat im heutzutage harten Wettbewerb der
Fahrschulen die Nase vorn. Für die praktische Ausbildung sind dabei
die Ausbildungsdiagrammkarten der Bundesvereinigung der
Fahrlehrerverbände (BVF) ein bewährtes Hilfsmittel.
Bei der
Verbandsgeschäftsstelle in Korntal gehen immer wieder Beschwerden
von Fahrschülern und Eltern ein. Man werde vom Fahrlehrer angemotzt,
veralbert oder sogar beleidigt, heißt es da. Wieder andere klagen,
der Fahrlehrer mache während der Fahrstunden Besorgungen oder
telefoniere am laufenden Band. Am meisten aber ärgern sich die
Kunden, wenn sie ihr Fahrlehrer über den Ausbildungsstand im
Unklaren lässt.
Jugendliche fordern Ausbildungstransparenz
Junge Menschen wollen
wissen, wo es lang geht. Unsere offene Gesellschaft ermutigt sie von
Kindheit an, Fragen zu stellen. Und das ist gut so. Junge Leute
wollen kein Wischiwaschi, sondern möglichst präzise Antworten. Sie
stöbern im Internet neugierig nach Bloggern, die sich über ihre
Erfahrungen mit ihrer Fahrschule äußern. Dabei lernen sie, wie
ihresgleichen Fahrlehrer beurteilen. Vieles davon mag subjektiv
sein, doch es enthält immer auch Aussagen über die empfundene
Kompetenz ihres Fahrlehrers. „Meiner ist ein Ignorant“, liest man da
unter anderem. „Als ich fragte, wann ich das erste Mal auf die
Autobahn darf, schnauzte er, ‘das erfährst du, wenn es so weit
ist!’“
Diagrammkarte macht Dokumentation leicht
Wer seinen Schülern
anhand eines übersichtlich strukturierten Ausbildungsdiagramms
präzise Informationen über den jeweils aktuellen Ausbildungsstand
geben kann, kommt der erwähnten Fragen wegen nicht in Verlegenheit.
Ist der Fahrlehrer bereit, seine Diagnose offen mit dem Schüler zu
erörtern, wird er die Erfahrung machen, dass die heutigen Kunden
häufig über eine sehr realistische Selbsteinschätzung verfügen und
ihre Schwächen erstaunlich gut erkennen.
FahrschAusbO: Ausbildungsplan und
-dokumentation
Paragraf 5 der
Fahrschüler-Ausbildungsordnung (FahrschAusbO) verlangt von den
Fahrschulen, für den praktischen Unterricht einen gegliederten,
systematisch aufgebauten Ausbildungsplan zu erstellen. Der
Ausbildungsplan hat sich inhaltlich an den Anlagen zur FahrschAusbO
zu orientieren und logischerweise haben sich Inhalte und Abfolge des
Unterrichts danach zu richten.
Ebenso ist
vorgeschrieben, dass der Fahrlehrer den jeweiligen Ausbildungsstand
durch Aufzeichnungen zu dokumentieren hat. Die Dokumentation soll
erkennen lassen, welche Inhalte behandelt wurden. Ob der Fahrlehrer
dafür die Ausbildungs-Diagrammkarte des Curricularen Leitfadens
(siehe Abbildung unten) oder ein von ihm selbst erdachtes
Hilfsmittel verwendet, ist nicht geregelt und ihm somit
freigestellt.
Diagrammkarte unterliegt nicht der Aufbewahrungspflicht
Die Dokumentationen
müssen nach Abschluss der Ausbildung nicht aufbewahrt werden. Sie
müssen aber bei der Fahrschulüberwachung für die in Ausbildung
befindlichen Schüler vorgelegt werden können. Ein Verstoß gegen
diese Vorschrift wird gemäß Nr. 4b des baden-württembergischen
Bußgeld- und Maßnahmenkatalogs Fahrlehrerrecht mit einem Bußgeld
zwischen Euro 50 und 1.000 geahndet.
Klare Dokumentation hilft vor Gericht
Unlängst musste ein
Fahrlehrer sein Guthaben bei Gericht einklagen. Die Eltern einer
Fahrschülerin weigerten sich zu zahlen, weil sie der Meinung waren,
der Fahrlehrer habe ihre Tochter mit zu vielen unnötigen Fahrstunden
abgezockt. Der Kollege obsiegte, weil aus der dem Gericht
vorgelegten Diagrammkarte schlüssig hervorging, wie bescheiden die
Lernfortschritte der Tochter waren. Deshalb spricht einiges dafür,
die Diagrammkarten auch noch einige Zeit nach Beendigung der
Ausbildung aufzubewahren.
Eltern haben oft falsche Vorstellungen
Die
Erziehungsberechtigten der Fahrschüler sind in der Regel zwischen
vierzig und fünfzig Jahre alt und haben den Führerschein seit 25
oder noch mehr Jahren in der Tasche. Die damals durchschnittlich
benötigte Anzahl von Fahrstunden lag deutlich unter der heutigen.
Wenn die Eltern oder Dritte die Ausbildung bezahlen, sollte der
Fahrlehrer auch ihnen gegenüber um Ausbildungstransparenz besorgt
sein. Auch dabei leisten ein präziser Ausbildungsplan und eine
übersichtliche Diagrammkarte wertvolle Hilfe. Noch überzeugender
kann es sein, die Eltern zu einer Fahrstunde einzuladen und so eine
Kostprobe moderner Fahrausbildung „erfahren“ zu lassen.
Jochen Klima
Ausbildungsdiagrammkarte
aus dem Curricularen Leitfaden Pkw:

Frontseite

Rückseite
S. auch früheren
Artikel
"Transparenz der praktischen
Ausbildung:
Hilfe für Schüler
und Lehrer" aus FPX 09/2002... |