|
Verehrte Leserinnen und
Leser,
bestimmte Gruppierungen versuchen zurzeit, Kolleginnen und
Kollegen davon zu überzeugen, es liege in ihrem Interesse, die
Zusammenarbeit von Fahrlehrern rechtlich zu erleichtern. Der Politik
und der Verwaltung will man die Ideen als Vereinfachung der
Verwaltung, sprich Entbürokratisierung, schmackhaft machen. Es geht
dabei nicht, wie man gutgläubig gerne denken möchte, um
vorübergehende nachbarschaftliche (Aus-) Hilfe, sondern um etwas
ganz anderes: Der große Zampano, der z.B. den Fahrlehrerschein der
Klasse CE nie geschafft hat und deshalb dafür auch keine
Fahrschulerlaubnis bekommen kann, soll sich ohne weitere
Formalitäten künftig einen „Knecht“ halten dürfen, der angehende
Trucker für ihn ausbildet. Ebenso für die Klassen A und DE.
Anstellung überflüssig, alles auf freivertraglicher Basis. Diese
Ideen sind Spätgeburten des turbokapitalistischen
Deregulierungswahns. Sie würden uns ins schwärzeste Mittelalter des
Berufsstandes zurückwerfen, als Mitte der Fünfzigerjahre des letzten
Jahrhunderts die Fahrschulerlaubnis der damaligen
Fahrlehrerverordnung wegen mangelnder rechtlicher Deckung im StVG
durch höchstrichterlichen Beschluss kassiert wurde. Die Folge war,
dass jedermann eine Fahrschule eröffnen und betreiben konnte, auch
wenn er nicht Fahrlehrer war. Die Bannerträger der „unbürokratischen
Lösungen“ scheuen sich nicht zu behaupten, ihr Modell führe sogar
zur Verbesserung der Unterrichtsqualität. Der „Knecht“ soll also
auch noch für die Qualität der Ausbildung geradestehen, weil man
seinen Gönner, der ihn als Taglöhner beschäftigt – darauf läuft es
nämlich hinaus –, mangels Fahrschulerlaubnis gar nicht packen kann.
Würden diese Ideen auch nur ansatzweise ins Fahrlehrergesetz
einfließen, bedeutete dies das Ende des erfolgreichen deutschen
Fahrausbildungswesens. Die Verantwortung für die Ausbildung darf
nicht geteilt werden. Wo es hier etwa vereinzelt Schwächen gibt,
weil z.B. der verantwortliche Leiter ein untätiger Strohmann ist,
sind sie dringend zu beseitigen. Die große Mehrheit unserer
Kolleginnen und Kollegen, dessen bin ich mir sicher, erteilt diesen
obskuren Ideen eine klare Absage. Das sollten sich alle, die es
angeht, gut merken.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Peter Tschöpe
|