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Mit einem dreisemestrigen
Kontaktstudium an der PH Karlsruhe können in der Erwachsenenbildung
tätige Lehrer ihre Methoden- und Medienkompetenz steigern. Unter den
ersten 16 Studenten, die Mitte 2010 mit dem Studium begannen, sind auch
zwei Fahrlehrer. Im Jahr 1991 bot
der Fahrlehrerverband Baden-Württemberg e.V. zusammen mit dem
Landesverband Bayerischer Fahrlehrer e.V. unter dem Titel
„Kontaktstudium“ eine viertägige Fahrlehrerfortbildung an der
Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd an. Obwohl zunächst nicht nach
§ 33a FahrlG anerkannt, war der Zuspruch der Mitglieder beachtlich.
Neuer Anfang
Nachdem die Professoren Heilig und Dr.
Knörzer emeritiert waren, wurde das Angebot leider nicht weiter
aufrechterhalten. Frau Professor Dr. Traub, die schon in Schwäbisch
Gmünd zum Team gehörte, ist inzwischen an der Pädagogischen Hochschule
Karlsruhe tätig. Sie bietet ein dreisemestriges Kontaktstudium für
Fahrlehrer und andere in der Erwachsenenbildung Tätige an.
Wir haben mit den beiden Fahrlehrern
gesprochen, die ihr Kontaktstudium im Mai 2012 abschließen werden. Das
sind Frau Merkel-Schruba aus Freiburg und Herr Ralph Schincke aus
Neuwied.
FPX: Wie sind Sie auf das
Kontaktstudium aufmerksam geworden?
Merkel-Schruba: Ich habe im
August 2009 in der FahrSchulPraxis die Ankündigung gelesen. Weil mich
das sehr angesprochen hat, habe ich Frau Traub eine E-Mail geschrieben
und mich genauer über dieses Kontaktstudium informiert.
Schincke: Eine Kollegin aus
Baden-Württemberg hatte mich auf den Bericht in der FahrSchulPraxis
aufmerksam gemacht. Ich habe dann auf der Internetseite des Verbandes
ein bisschen gestöbert und fand das Angebot sehr interessant. Ich war
schon früher beim Kontaktstudium in Gmünd und kannte Frau Professor
Traub. Ich hoffte, auch bei diesem umfangreicheren Angebot wieder sehr
viele Tipps und Hilfen für die konkrete Umsetzung in der Praxis zu
bekommen.
FPX: Sie haben etwa zwei
Drittel des Studiums hinter sich. Wurden Ihre Erwartungen bis jetzt
erfüllt?
Merkel-Schruba: Meine Erwartungen
wurden mehr als erfüllt. Das, was ich bis jetzt gelernt habe, konnte ich
beim Theorie- und Praxisunterricht in der Fahrschule auch prompt
anwenden. Der Austausch sowohl bei den Partner- bzw. Gruppentreffen wie
auch in den Präsenzphasen ist immer sehr hilfreich, bringt neue Ideen
und hilft bei der Umsetzung in die Praxis.
Schincke: Da kann ich mich voll
und ganz anschließen. Mir war es wichtig, moderne Unterrichtsmethoden
nicht nur theoretisch vermittelt zu bekommen, sondern sie immer auch
gleich in der Praxis erproben zu können.
FPX: Sie sprachen eben von
Gruppentreffen und Präsenzveranstaltungen. Wie läuft so ein
Kontaktstudium ab?
Schincke: Zunächst gibt es einen
Einführungstag. Dabei bekommt man einen Überblick über die gesamte
Veranstaltung. Man lernt auch seine Kommilitonen kennen. Außerdem werden
an diesem Tag die „Lerntandems“ gebildet. So ist man während des
gesamten Studiums nie auf sich allein gestellt. Den Partner, mit dem man
dieses Lerntandem bildet, wählt man am Einführungstag aus. Mit ihm ist
man in Kontakt. Mit ihm bespricht man sich, wenn man einmal nicht mehr
weiterkommt. Man besucht sich auch gegenseitig beim Unterricht und gibt
sich Rückmeldungen. Da ich von allen Teilnehmern den weitesten Weg nach
Karlsruhe habe, habe ich die Kommilitonin als Partnerin ausgewählt, die
in Frankfurt tätig ist. Sie war mir räumlich am nächsten. Drei bis vier
Paare werden zu einer Lerngruppe zusammengefasst.
Merkel-Schruba: Bei meiner Wahl
des Tandempartners spielte die räumliche Entfernung keine Rolle. Ich
bilde mit einem Elektronikingenieur ein Tandem. Mir war es sehr wichtig
einen Partner zu haben, der aus einem völlig anderen Arbeitsbereich
kommt als ich. Der Elektronikingenieur ist heute als Ausbilder in
Kosmetikschulen für den Bereich Wellness tätig.
Der Vorteil bei dieser Tandembildung
ist, dass man sich bei den Unterrichtsbesuchen voll auf den
Medieneinsatz und die Methodenanwendung konzentrieren kann. Würde man
mit einem Fahrlehrer ein Tandem bilden, würde mit Sicherheit der Blick
auf die Methodensicherheit durch Überlegungen zu den fachlichen Inhalten
überlagert.
Schincke: Das kann ich nur
bestätigen. Auch für mich ist es sehr hilfreich, dass meine
Tandempartnerin aus einem völlig anderen Bereich kommt. Die fachliche
Richtigkeit der Informationen spielt bei unseren
Unterrichtsbesprechungen überhaupt keine Rolle. Wir konzentrieren uns
voll auf die angewendeten Methoden und die eingesetzten Medien.
FPX: Wie oft treffen Sie sich
mit Ihrem Tandempartner?
Merkel-Schruba: Das machen wir im
Abstand von 4 bis 6 Wochen. Sehr viel häufiger haben wir aber Kontakt
per Telefon oder E-Mail. Das geschieht oft sogar mehrmals pro Woche.
Schincke: Bei mir ist das
ähnlich. Ich war bisher sieben Mal bei meiner Kommilitonin im Unterricht
und sie fünf Mal bei mir. Wir telefonieren aber sehr oft miteinander.
Das ist insbesondere dann der Fall, wenn ich meine Hausaufgaben erledige
und sich dabei Fragen ergeben.
FPX: Was heißt in diesem
Zusammenhang „Hausaufgaben“? Müssen Sie diese Arbeiten an die PH
schicken? Werden die dort benotet?
Merkel-Schruba: Als Hausaufgabe
bekommen wir meistens den Auftrag, einzelne Kapitel in einem der beim
Unterricht verwendeten Bücher zu lesen und sich daraus ergebende Fragen
zu beantworten. Die Ergebnisse werden zuerst mit dem Tandempartner
abgeglichen, ergänzt und diskutiert. Unklarheiten oder noch bestehende
Fragen notiert und dann in der Koping-Gruppe (Lerngruppe) besprochen.
Nur wenn danach immer noch ungeklärte Fragen im Raum stehen, werden
diese in der Präsenzphase zuerst im Plenum angesprochen und bei Bedarf
durch Frau Traub beantwortet. Es findet also keine Benotung statt. Die
Frage, ob man etwas nur dürftig, ausreichend oder richtig verstanden
hat, klärt sich beim Besprechen der Hausaufgaben im Tandem oder in der
Gruppe von selbst.
Schincke: Oft entdeckt man beim
Lesen ganz bestimmte Schwerpunkte. Der Andere entdeckt andere
Schwerpunkte. Da ist es immer interessant, sich mit dem Tandempartner
auszutauschen. Dabei erschließen sich oft ganz neue Blickwinkel.
FPX: Was sind Gruppentreffen?
Merkel-Schruba: Drei Lerntandems
bilden eine Lerngruppe (Koping-Gruppe). Auch die Zusammensetzung dieser
Gruppen wird am Einführungstag bereits festgelegt. Die Lerngruppen
treffen sich meist kurz vor den Präsenzveranstaltungen. Bei Bedarf kann
sich die Gruppe auch häufiger treffen.
Schincke: Bei den Gruppentreffen
berichten die Lerntandems über ihre Erfahrungen und diskutieren
Optimierungsmöglichkeiten.
FPX: Heißt das, dass sowohl die
Tandems als auch die Gruppen ohne „Lehrer“ arbeiten?
Schincke: Im Grunde ist das so.
Natürlich können wir, wenn wir einmal gar nicht weiterkommen, uns immer
auch an die PH wenden. Bei uns war das bisher aber nicht nötig.
Aufgetretene Probleme konnten wir in unserer Gruppe alleine lösen.
Merkel-Schruba: Bei uns war das
ähnlich. Wir haben einmal bei Frau Professor Traub nachfragen müssen,
weil wir uns bei einem bestimmten Punkt auch in der Gruppe nicht sicher
waren, wie wir weiter vorgehen sollten.
FPX: Worum ging es da?
Merkel-Schruba: Ein
Gruppenmitglied musste aus privaten Gründen das Studium leider vorzeitig
beenden, und so wurde ein Tandem überraschend solo. Und die Frage an
Frau Traub war: Wie sollen wir organisatorisch weiter vorgehen?
FPX: Wie oft finden
Präsenzveranstaltungen statt?
Schincke: Insgesamt stehen zehn
Präsenzveranstaltungen auf dem Plan. Davon werden die Blöcke eins und
zwei, drei und vier sowie acht und neun zusammengefasst. Die Termine für
alle Präsenzveranstaltungen stehen aber von vornherein fest. Die kann
man einplanen.
FPX: Wie lange dauert eine
Präsenzveranstaltung?
Schinke: Eine reguläre
Veranstaltung beginnt am Freitag mit dem Mittagessen und endet am
Samstagnachmittag. Die Doppelveranstaltungen beginnen ebenfalls am
Freitag und enden am späten Sonntagnachmittag.
FPX: Was passiert auf den
Präsenzveranstaltungen?
Merkel-Schruba: Im Grunde sind es
immer drei Teile, die aber unterschiedlichen Zeitbedarf haben: Wir
besprechen aus den Gruppenarbeiten offengebliebene Fragen, berichten von
den gegenseitigen Unterrichtsbesuchen der Tandems und evtl. gemachten
Erfahrungen, die für das ganze Plenum interessant sind. Im zweiten Teil
vermittelt Frau Traub pädagogisches Hintergrundwissen, vertieft und
ergänzt das Wissen, das wir uns durch die Hausaufgaben angeeignet haben.
Sie erläutert neue Unterrichtsmethoden und wobei diese
erfolgversprechend sind. Im dritten Teil wenden wir diese neuen
Erkenntnisse durch Partner- bzw. Gruppeninterviews, Rollenspiele,
Legetechniken und viele andere Methoden in praktischen Übungen an.
Schincke: Gerade dieser Teil der
Präsenzveranstaltungen ist ungeheuer hilfreich. Ich bekomme immer eine
direkte Rückmeldung. Die hilft mir, die angewandte Methode noch zu
optimieren.
Merkel-Schruba: Ab und zu kam es
vor, dass ein Teilnehmer sich absolut nicht vorstellen konnte, wie eine
neu erlernte Methode in seiner beruflichen Praxis Verwendung finden
könnte. Was mich dann immer wieder aufs Neue fasziniert, egal welche
Berufssparte, Frau Traub bringt ein oder manchmal sogar mehrere
Beispiele, und auf einmal erscheint es so einfach und plausibel, diese
Methode in die Praxis umzusetzen.
FPX: Das Kontaktstudium kostet
knapp 1.000 Euro. Dazu kommen noch die Fahrt- und Unterbringungskosten
bei den Präsenzveranstaltungen und die Besuche beim Tandempartner.
Rechnet man noch die an den Präsenztagen ausfallenden Fahrstunden
hinzu, muss man für das Kontaktstudium sicher zwischen 1.500 und 2.000
Euro in Ansatz bringen. Lohnt sich das?
Schinke: Darauf kann ich nur mit
einem ganz klaren JA antworten. Allein die Tatsache, dass ich heute in
der Lage bin, im Unterricht genau die gleichen modernen Methoden
kompetent einzusetzen, die meine Kunden von ihrer Schule kennen, bringt
mir im Wettbewerb deutliche Vorteile. Ich frage meine Kunden bei der
Anmeldung, warum sie meine Fahrschule ausgewählt haben. Da höre ich in
der letzten Zeit immer häufiger „Weil ich gehört habe, dass man bei
Ihnen etwas lernt und der Unterricht Spaß macht.“
Merkel-Schruba: Ich habe ähnliche
Erfahrungen. Wer anspruchsvollen Unterricht anbietet, bekommt auch einen
anspruchsvollen Kundenkreis. Dieser ist auch bereit, ein angemessenes
Entgelt zu bezahlen. Ich lade, gerade bei BF 17, immer gerne die
Eltern/Begleiter ein, einmal bei einer Fahrstunde mitzufahren. Oft wird
dazu die Nachtfahrt ausgewählt, da die Eltern dann am ehesten Zeit
haben. Die Eltern sind häufig von der schon selbstständigen Fahrweise
ihrer Kinder positiv überrascht. Im Gespräch höre ich ab und zu, dass
die Kinder sich zuhause positiv über unseren abwechslungsreichen,
lehrreichen und nie langweiligen Unterricht geäußert haben.
FPX: Sie sprachen vorhin von
den Hausaufgaben. Wie viel Zeit muss man denn dafür einplanen?
Merkel-Schruba: Also ich nehme
mir meist einen halben Tag pro Woche Zeit, um die Hausaufgaben zu
erledigen. Manchmal ist die Lektüre aber auch so spannend, dass ich dann
noch den Sonntag dafür nutze. Fünf bis sechs Stunden pro Woche muss man
aber dafür einplanen.
Schincke: Da decken sich unsere
Erfahrungen absolut.
FPX: Gibt es am Ende eine
Urkunde?
Schincke: Am Ende des
Kontaktstudiums bekommt jeder Teilnehmer, der die ganze Zeit
durchgehalten und mitgearbeitet hat, eine Teilnahmeurkunde. Die ist aber
für mich nur schmückendes Beiwerk. Darüber hinaus bietet die PH an, ein
Hochschulzertifikat zu erwerben. Dazu muss man nach Abschluss des
Studiums eine Unterrichtsprobe mit seinen Schülern in Anwesenheit von
Frau Professor Traub ablegen. Entspricht diese den Kriterien, bekommt
man das Zertifikat. Das werde ich mir dann auch gerne in die Fahrschule
hängen.
Merkel-Schruba: Das sehe ich
genauso. Das Zertifikat der Pädagogischen Hochschule ist der krönende
Abschluss.
FPX: Können Sie das
Kontaktstudium den Kolleginnen und Kollegen empfehlen?
Merkel-Schruba: Uneingeschränkt
ja. Wer seine Lehrerkompetenz verbessern und seinen Blickwinkel
erweitern will, wird kaum etwas Besseres finden. Der Aufwand lohnt sich
auf alle Fälle.
Schincke: So sehe ich das auch.
Wir können nicht unsere Fahrschüler zum lebenslangen Lernen auffordern
und selbst beim Althergebrachten stehen bleiben. Ein moderner Pädagoge
muss sich intensiv mit den neuzeitlichen Methoden und Medien befassen.
FPX: Vielen Dank für das
Gespräch.
Weitere Informationen zum Kontaktstudium finden
Sie in FPX 01/2012, S. 36 ...
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