Deutsche Fahrlehrer-Akademie e.V.: Modellversuch "Automatik" - Fahrschulen bitte melden!

© FahrSchulPraxis - Entnommen aus Ausgabe März/2015, Seite 172

Editorial zum Thema ...

Noch ist die Fahrausbildung und Fahrerlaubnisprüfung auf traditionellen Fahrzeugen mit Kupplung und Schaltgetriebe die Norm. Aber die rasante Weiterentwicklung von Fahrzeugen mit Elektro-, Hybrid- oder Brennstoffzellenantrieb wird in den nächsten Jahren auch hier durchgreifende Veränderungen bringen. Darauf muss sich der Berufsstand vorbereiten.

Wer heute die Fahrprüfung auf einem Pkw ohne Kupplung ablegt, bekommt eine auf das Führen solcher Fahrzeuge beschränkte Fahrer-laubnis („Automatikeintrag“, Schlüsselzahl 78).

Modellversuch der DFA

Die Deutsche Fahrlehrer-Akademie e.V. (DFA), das Forschungs- und Entwicklungsinstitut des Berufsstandes, will in einem Modellversuch Fahranfänger bis kurz vor der Prüfungsreife auf Automatik ausbilden lassen. Anschließend soll herausgefunden werden, wie viele weitere Fahrstunden notwendig sind, um die praktische Prüfung erfolgreich auf einem Schaltwagen abzulegen. Dabei sollen die Sonderfahrten etwa je zur Hälfte auf Fahrzeugen ohne Kupplung und solchen mit Kupplung und herkömmlicher Schaltung durchgeführt werden. Gesucht werden Fahrschulen, die in der Lage sind, im Zeitraum von April bis Oktober 2015 – gern auch mit mehreren Fahrlehrern – eine Experimentalgruppe von ca. 10 Schülern auf Automatik und gleichzeitig eine gleich starke Kontrollgruppe auf Schaltung auszubilden und zur Prüfung vorzustellen. Damit sollen Argumente für einen baldigen Wegfall des Automatikeintrags unter der Voraussetzung, dass eine bestimmte Anzahl Schaltfahrstunden nachgewiesen wurde, herausgearbeitet werden.

Interesse? Bitte Unterlagen anfordern!

Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege, weitere Informationen finden Sie nachstehend. Bei Interesse genügt eine kurze Meldung an die Geschäftsstelle der DFA. Außerdem sind für alle Beteiligten Einweisungsveranstaltungen geplant.

JK

Kontaktdaten

Deutsche Fahrlehrer-Akademie e.V.
Zuffenhauser Str. 3
70825 Korntal-Münchingen
Internet
www.deutsche-fahrlehrer-akademie.de
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Fon
0711 8068864

 

DEUTSCHE FAHRLEHRER-AKADEMIE E.V.

Praxisausbildung auf Pkw mit Automatikgetriebe

Aufruf zur Mitwirkung an einem Projekt der Deutschen Fahrlehrer-Akademie e.V.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Deutsche Fahrlehrer-Akademie bereitet z.Zt. ein Untersuchungsprojekt vor, dessen Ergebnisse – wenn sie so ausfallen, wie erwartet – dazu führen könnten, dass die Prüfung auf einem Automatikfahrzeug der Klasse B nicht mehr die Beschränkung der Fahrerlaubnis auf Automatikfahrzeuge zur Folge hätte. Darüber hinaus erwarten wir von den Ergebnissen starke Argumente für den Einsatz von Automatikfahrzeugen zumindest in der Anfangsphase der fahrpraktischen Ausbildung. Darüber hinaus wollen wir den Ausbildungsumfang für den Umstieg auf Fahrzeuge mit Schaltgetriebe ermitteln.

Hintergrund

In § 17 (6) FeV wird festgelegt:

Ist das bei der Prüfungsfahrt verwendete Kraftfahrzeug ohne ein Schaltgetriebe mit Kupplungspedal … ausgestattet, ist die Fahrerlaubnis auf das Führen von Kraftfahrzeugen ohne Kupplungspedal … zu beschränken.

In der Praxis führt diese Regelung dazu, dass Fahrschüler der Klasse B fast ausschließlich auf Schaltfahrzeugen ausgebildet und geprüft werden, um dieser Beschränkung nicht zu unterliegen. Auch stehen in Fahrschulen Automatikfahrzeuge zur Ausbildung bisher nur in begrenztem Umfang zur Verfügung. Zwar ist es heute schon ohne Weiteres zulässig, ein Automatikfahrzeug bei der Ausbildung einzusetzen. Diese Möglichkeit wird aber aus Kostengründen (zusätzliches Fahrzeug) kaum genutzt.

Für einen Fahranfänger, der über keinerlei Fahrerfahrung verfügt, wäre es allerdings wünschenswert, wenn das methodische Prinzip vom Leichten zum Schweren auch beim Erlernen der Führung eines Pkw zur Anwendung käme. Der Fahranfänger muss neben der Beobachtung des Verkehrs gleich zu Anfang verschiedene Bedienelemente des Fahrzeugs beherrschen, von denen der Umgang mit Kupplung, Gas und Bremse zu den schwierigeren motorischen Aufgaben gehört. Aus methodischem Blickwinkel wäre es daher wünschenswert, wenn zu Beginn der fahrpraktischen Ausbildung Automatikfahrzeuge eingesetzt würden und erst nach Erreichung eines Ausbildungsstandes, auf dem der Fahrschüler im Hinblick auf Lenkung, Geschwindigkeitssteuerung und Verkehrsbeobachtung eine hinreichende Sicherheit erreicht hat, die weitere Vervollkommnung seiner Fahrfertigkeiten auf einem Schaltfahrzeug fortgesetzt würde.

Von 1972 bis 1986 galt die Vorschrift, dass die Durchführung der fahrpraktischen Prüfung auf einem Automatikfahrzeug dann nicht zu einem Beschränkungsvermerk im Führerschein führte, wenn der Fahrschüler nachweisen konnte, dass er während der fahrpraktischen Ausbildung in der Fahrschule mindestens sechs Unterrichtsstunden auf einem Schaltfahrzeug absolviert hat. Diese Regelung hatte den großen Nachteil, dass die Zahl von sechs Unterrichtsstunden ein aus der Luft gegriffener Schätzwert ohne jede empirische Grundlage war. Es spielte auch keine Rolle, zu welchem Zeitpunkt die Übungsstunden auf dem Schaltfahrzeug absolviert wurden.

Seit 1986 wird, insbesondere auf Druck der an-deren Mitgliedstaaten der EU, eine fahrpraktische Prüfung auf einem Schaltwagen verlangt, wenn die Fahrerlaubnis ohne Beschränkungs-vermerk erteilt werden soll. Zwischenzeitlich ist die Regelung in Anhang II Nr. 5.1 der dritten EG-Führerscheinrichtlinie im europäischen Recht verankert.

Anliegen

Ausbildung und Prüfung würden – was den fahrpraktischen Teil angeht – wesentlich erleichtert, wenn die Prüfung auf einem Automatikfahrzeug ohne Beschränkungsvermerk abgelegt werden könnte. Auch würde hiermit der technischen Entwicklung Rechnung getragen, wonach immer häufiger Fahrzeuge mit Automatikgetriebe ausgestattet sind. Dies trifft nicht nur auf Elektro- oder Hybridfahrzeuge zu, die keine Kupplung benötigen, sondern auch auf Pkw der Oberklasse und der gehobenen Mittelklasse. Dies ist nicht zuletzt deswegen wünschenswert, weil durch den Wegfall der Aufgabe des Schaltens kognitive Aufmerksamkeitskapazität zur Einschätzung der Verkehrslage nicht nur für Fahranfänger frei bliebe.

Es ist momentan allerdings ungeklärt, in welchem zusätzlichen Umfang die fahrpraktische Ausbildung auf einem Schaltwagen (nach anfänglicher Ausbildung auf einem Automatikfahrzeug) erforderlich ist, damit der Wegfall des Beschränkungsvermerks auch dann verantwortet werden kann, wenn die praktische Prüfung auf einem Automatikfahrzeug stattfindet.

Diese Frage soll mit dem vorliegenden Projekt geklärt werden.

Vorgehen

Wenn es zutrifft, dass Lernfortschritte bei der Fahrzeugbedienung schneller stattfinden, wenn Fahrschüler ihre fahrpraktische Ausbildung auf einem Automatikfahrzeug beginnen, dann ist zu erwarten, dass diese Fahrschüler auch insgesamt früher prüfungsreif sind als solche, die auf einem Schaltfahrzeug anfangen. Für die Untersuchung brauchen wir also zwei Gruppen von Fahrschülern, eine Automatikgruppe und eine Schaltgruppe, deren Ausbildungsgänge sich wie folgt unterscheiden:

Automatikgruppe Angehörige dieser Gruppe werden im fahrpraktischen Teil zunächst so lange auf Automatikfahrzeugen ausgebildet, bis der Fahrlehrer den Fahrschüler für prüfungsreif hält. Erst danach erfolgt die Zusatzausbildung auf einem Schaltfahrzeug – ebenfalls bis zur Prüfungsreife.

Schaltgruppe Angehörige dieser Gruppe werden im fahrpraktischen Teil ihrer Ausbildung allein auf Schaltfahrzeugen bis zur Prüfungsreife ausgebildet.

Für beide Gruppen gilt, dass ein Fahrschüler zur Prüfung angemeldet wird, wenn der Fahrlehrer den Fahrschüler für prüfungsreif auf einem Schaltfahrzeug hält.

Nun hängen Ausbildungsdauer und Lernerfolg bekanntlich noch von einer Reihe anderer Faktoren ab, die in beiden Gruppen möglichst auf gleiche Weise wirksam sein sollten. Daher soll gewährleistet sein, dass Alter, Geschlecht und Vorerfahrung in der Automatik- und der Schalt-gruppe etwa gleich verteilt sind. Auch sollten aus einer Fahrschule sowohl Angehörige der Automatikgruppe als auch der Schaltgruppe vertreten sein, sodass Unterschiede im Lern-erfolg später nicht auf die Qualität der Fahrschule zurückgeführt werden können.

Erwartungen an teilnehmende Fahrschulen und Ablauf

Wir möchten Sie über die Voraussetzungen für die Teilnahme an dieser Studie und die Einzelheiten des Ablaufs informieren, damit Sie auf dieser Grundlage entscheiden können, ob Sie sich mit Ihrer Fahrschule an der Studie beteiligen wollen.

Voraussetzungen

  • Die fahrpraktische Ausbildung der an der Studie beteiligten Fahrschüler sollte im April 2015 oder später beginnen und spätestens im September 2015 abgeschlossen sein.
  • In jeder teilnehmenden Fahrschule sollten möglichst 10 Fahrschüler der Automatikgruppe und ebenfalls 10 Fahrschüler der Schaltgruppe zugeordnet werden.
  • Jedem Fahrschüler/jeder Fahrschülerin der Automatikgruppe sollte ein(e) Fahrschüler(in) mit demselben Geschlecht, im selben Alter (+/- ein Jahr) und mit derselben Vorerfahrung aus der Schaltgruppe zugeordnet werden.

Ablauf

  • Was die Ausbildung der Automatikgruppe betrifft, müssen die Lerninhalte der Ausbildungsstufen dahingehend geändert werden, dass zunächst alle Ausbildungsinhalte entfallen, die sich auf einen Schaltwagen beziehen. Zu Beginn des Versuchs werden daher alle teilnehmenden Fahrschulen auch modifizierte Ausbildungsdiagrammkarten erhalten.
  • Vor Beginn des Versuchs wird für alle teilnehmenden Fahrschulen eine Informationsveranstaltung stattfinden, zu der sowohl die Leiter der Fahrschulen als auch die teilnehmenden Fahrlehrer eingeladen werden. Dort wird noch einmal im Detail erläutert, wie der Versuch ablaufen soll.
  • Für jeden Fahrschüler, der in Ihrer Fahrschule an dem Versuch teilnimmt, benötigen wir folgende Daten:
    Alter /Geschlecht /Gruppenzugehörigkeit (Automatik- oder Schaltfahrzeug) /Vorerfahrungen auf Schaltfahrzeug (ja/nein) /Vorerfahrungen auf Automatikfahrzeug (ja/nein) /Anzahl der fahrpraktischen Unterrichtsstunden auf einem Automatikfahrzeug: Bis zum Abschluss der Grundstufe; Bis zum Abschluss der Aufbaustufe;Bis zum Abschluss der Leistungsstufe; Bis zur Prüfungsreife (auf einem Automatikfahrzeug) /Mindestens die Hälfte der besonderen Ausbildungsfahrten ist mit einem Automatikfahrzeug durchzuführen /Anzahl der fahrpraktischen Unterrichtsstunden auf einem Schaltfahrzeug: Bis zum Abschluss der Grundstufe; Bis zum Abschluss der Aufbaustufe; Bis zum Abschluss der Leistungsstufe; Bis zur Prüfungsreife (auf einem Schaltfahrzeug); Die verbleibenden besonderen Ausbildungsfahrten sind mit einem Schaltfahrzeug durchzuführen /Bestehen der fahrpraktischen Prüfung beim ersten Versuch (ja/nein)
  • Zur Datenerfassung erhalten Sie Formulare, die Sie nach Abschluss der Fahrerlaubnisprüfung bitte an die DFA senden (s.u.).
  • Nach Abschluss der Datenauswertung werden wir Ihnen die Ergebnisse präsentieren und sie mit Ihnen diskutieren.