Runder Tisch in Pforzheim: Positive Botschaften gegen den Fahrlehrermangel

Von Bernd Sautter, www.mobilmacher-news.de

Die Deutsche Fahrlehrer-Akademie e.V. und der Fahrlehrerverband Baden-Württemberg e.V. baten Fahrlehrer/innen und Fahrschulexperten aus ganz Deutschland an den runden Tisch. Der Tag galt nur einem Thema: Wie kann dem Mangel an Fahrlehrerinnen und Fahrlehrern, unter dem die Branche zunehmend leidet, wirksam begegnet werden? Dabei wurde deutlich: Patentlösungen gibt es nicht. Dennoch brachte die Runde zahlreiche Impulse und wertvolle Hilfen.

"Wir müssen mehr und positiver über unseren Beruf reden." Jochen Klima, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V., nutzte sein Schlusswort für einen Appell an die Branche. Doch die geladenen Experten waren sich nicht nur in diesem Punkt einig. Vom runden Tisch in Pforzheim ging die klare Botschaft ins Land: Um dem Fahrlehrermangel Herr zu werden, ist vor allem Zusammenhalt gefordert. Der Beitrag jedes Einzelnen zählt. Der Fahrlehrerberuf braucht dringend ein besseres, moderneres Image, um wieder für mehr junge Menschen interessant zu werden.

 

Solidarität am runden Tisch

Dass die gesamte Branche an einem Strang zieht, war bereits das erste wichtige Signal. Im Kampf gegen den Fahrlehrermangel hat sich eine breite Allianz gebildet. Alle Verbände wollen ihren Teil dazu beitragen. Die Solidarität wurde am runden Tisch sichtbar. Die Moderatoren Sylke Bub (Chefredakteurin der Zeitschrift FAHRSCHULE) und Jochen Klima führten routiniert durch die Tagung. Das Podium war mit Bernd Brenner (Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fahrlehrerausbildungsstätten BAGFA e.V., Ulrike Mögle (Leiterin der Arbeitsagentur Pforzheim), Gerhard von Bressensdorf (Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V., BVF), Rainer Zeltwanger (Vorsitzender des Bundesverbandes der Deutschen Fahrschulunternehmen, BDFU), Michael Herok (Angestelltenvertreter im Fahrlehrerverband Baden-Württemberg e.V.) und Jörg-Michael Satz (Präsident der MOVING International Road Safety Association e.V.) fachlich kompetent besetzt.

 

 

Gemeinsam für ein besseres Image

Welche sind nun konkret die Wege, die aus dem Mangel führen? Neben der Imageverbesserung des Berufsstandes wurden zahlreiche Handlungsempfehlungen angesprochen. So wurde unter anderem betont, dass offene Stellen unbedingt bei der Agentur für Arbeit sichtbar gemacht werden müssen. Es geht dabei vor allem darum, den aktuellen Mangel sichtbar zu machen. Tatsächlich hilft jede einzelne Meldung der gesamten Branche. Doch auch die Unternehmenskultur in den Fahrschulen wurde angesprochen. Ein motivierendes Umfeld und die tägliche Wertschätzung für die Arbeit der angestellten Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer seien starke Argumente, die für jeden Arbeitgeber sprechen, so auch für Fahrschulen. In diesem Zusammenhang fiel mehrmals das Stichwort "Work-Life-Balance". Auch die finanziellen Fördermöglichkeiten, mit denen Fahrschulen die Anwärter unterstützen können, waren ein Thema. Wo den hoffnungsvollen Interessenten kein Bildungsgutschein für die Fahrlehrerausbil-dung ausgegeben werden kann, bietet sich das Aufstiegs-BaFöG als Ausbildungsfinanzierung an.

 

Die rund achtzig Gäste nahmen zahlreiche Hilfestellungen und Anregungen mit auf ihren Weg. Entsprechend zufrieden waren die Veranstalter. Martin Jost, Präsident der Deutschen Fahrlehrer-Akademie e.V. und Jochen Klima gelang es an diesem Tag, den Fahrlehrermangel dorthin zu setzen, wo er hingehört: Ganz oben auf die Agenda. Jochen Klima bilanzierte: "Jammern hilft nicht, wir müssen uns ins Zeug legen, um für unseren schönen Beruf zu werben."

 

Die wichtigsten Impulse vom runden Tisch:

Statements Jochen Klima, Fahrlehrerverband Baden-Württemberg e.V.,

Zum autonomen Fahren: Jochen Klima
"Solange am Auto noch ein Abschaltknopf zu finden ist, so lange braucht man auch Fahrlehrer."

Zur Zukunft des Fahrlehrerberufs:
"Auf Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer kommen tolle Zukunftsaufgaben zu: neben der klassischen Fahrausbildung können wir die Wege zum teilautonomen Fahren kompetent begleiten und neue moderne Lernmethoden in den Unterricht integrieren."

Zur Werbung für den Fahrlehrerberuf
"Wir müssen verstärkt auch die emotionale Ebene ins Spiel bringen, um Menschen an den Fahrlehrerberuf heranzuführen."

Statements Gerhard von Bressensdorf, Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V.

Gerhard von BressensdorfZu dem, was ihn besorgt:
"Die Altersstruktur der Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer macht mir große Sorge. Wir haben aktuell einen Altersdurchschnitt von über 50 Jahren."

Zur Qualifikation von guten Fahrlehrerinnen und Fahrlehrern:
"Neben der pädagogischen Qualität ist für mich die sprachliche Qualität besonders wichtig. Gute Fahrlehrer müssen das Wissen in einer Sprache vermitteln, die die Fahrschüler verstehen können."

Zu attraktiven Arbeitsbedingungen in den Fahrschulen:
"Die Fahrschule als Arbeitgeber muss die richtigen Voraussetzungen schaffen. Da kommt es auch auf die Work-Life-Balance an."

Statements Rainer Zeltwanger, Bundesverband der Deutschen Fahrschulunternehmen e.V.

Rainer ZeltwangerZur notwendigen Geisteshaltung:
"Das Jammern muss aufhören. Wir müssen die Dinge anders, also positiver darstellen. Das fängt beim Denken an. Nur ein Beispiel: Ist es nicht wundervoll, dass in unserem Beruf jeder eine Jobgarantie hat. Bei uns kann sich doch jeder seinen künftigen Arbeitgeber aussuchen. Diese Dinge müssen wir herausstellen."

Zu den Arbeitszeiten:
"Auch bei den Arbeitszeiten dürfen wir nicht meckern, sondern betonen, dass die Arbeitszeiten bei uns flexibel sind. Damit können wir unterschiedliche Klientelen ansprechen und für unseren Beruf gewinnen."

Zur Werbung für den Fahrlehrerberuf:
"Wir müssen gute Geschichten über unseren Beruf erzählen, da gibt es viele. Das gilt für die Öffentlichkeitsarbeit, aber auch für das Gespräch mit jedem einzelnen Interessenten."

Statements Jörg-Michael Satz, MOVING International Road Safety Association e.V.

Jörg-Michael SatzZur Einschätzung des Mangels in der Branche:
"Der Fahrlehrermangel ist mittlerweile von Fahrschulen jeder Größe in allen Regionen und Gegenden als Problem erkannt worden. 37% sehen diesen als aktuell größte Herausforderung."

Zur aktuellen Situation:
"Schon heute führt der Fahrlehrermangel dazu, dass Umsatzeinbußen entstehen, Fahrlehrergehälter und Personalkosten steigen und potenzielle Fahrschüler weggeschickt werden müssen."

Zur Veränderungen des Wettbewerbs:
"Der Preis- und der Wettbewerbsdruck sinkt, während der Wettbewerb um Fahrlehrer zunimmt.“

Statements Bernd Brenner, Bundesarbeitsgemeinschaft der Fahrlehrerausbildungsstätten e.V.

Bernd BrennerZu den Chancen nach der Reform des Fahrlehrergesetzes:
"Der Wegfall CE und A2 als Zugangsvoraussetzungen wird uns nicht plötzlich lauter Leute in die Fahrlehrerausbildungsstätten schwemmen. Doch angesichts der Lage sind wir über jedes Prozent glücklich, das wir mehr bekommen."

Zur Vorbildung und Qualifikation:
"Ob jemand Fahrlehrer wird oder nicht, hängt hauptsächlich von der Motivation ab – und weniger vom Bildungsabschluss. Die Qualität der Menschen ist wichtiger als die Qualität des Bildungsabschlusses."

Zu finanziellen Förderungsmöglichkeiten:
"Das Aufstiegs-BaFöG, bei manchen unter dem Namen Meister-BaFöG bekannt, ist eine attraktive Finanzierungsmöglichkeit. Nachdem es reformiert worden ist, kann man 40% auf Lehrgangskosten fördern lassen, und nach der Ausbildung nochmal 40% erhalten. Das ist eine Geschichte, die man nur empfehlen kann."

Statements Michael Herok, Angestelltenvertreter Fahrlehrerverband Baden-Württemberg e.V.

Michael HerokZu Argumenten für den Fahrlehrerberuf:
"Wie können wir junge Leute begeistern? Natürlich, indem wir alle ein positives Image des Berufs nach außen tragen."

Zu dem, was sich ändern muss:
"Im Moment verdient ein Fahrlehrer rund ein Drittel weniger als ein Schullehrer. Das sollte sich dringend ändern."

Zu Vorsorgeleistungen:
"Aus meiner Sicht geht es auch um die Absicherung, und zwar für den Fall, dass der Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann. Wenn das gewährleistet ist, wird unser Beruf auch für die Jungen attraktiver."

Statements Ulrike Mögle, Leiterin Arbeitsagentur Pforzheim

Ulrike MögleZu dem, was Fahrschulen auf jeden Fall tun sollten:
"Wichtig für die Arbeitsagentur ist, dass Fahrschulen ihre offenen Stellen unbedingt melden. Das trägt wesentlich dazu bei, dass der Fahrlehrermangel auch entsprechend sichtbar wird."

Zum Wettbewerb an der Arbeitsagentur:
"Aus allen Branchen kommen Bedarfe auf uns zu - vor allem aus dem Handwerk. Für Fahrschulen ist es daher wichtig, mit den regionalen Partnern ins Gespräch zu kommen, dazu zählen neben der Arbeitsagentur auch die Kammern."

Zu dem Tag in Pforzheim:
"Heute hat es die Branche geschafft, mich für den Fahrlehrerberuf zu begeistern."

 

Von Bernd Sautter, www.mobilmacher-news.de
Fotos: Bernd Sautter 

 

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