30.06.2026© FahrSchulPraxis - Entnommen aus Ausgabe Juni 2026, Seite 336

76. Mitgliederversammlung am 9. Mai 2026 in Pforzheim: Reformpaket "Bezahlbarer Führerschein" lässt die Köpfe rauchen

Die Mitgliederversammlung des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg (FLVBW) in Pforzheim am 9. Mai war mit 450 Teilnehmenden stark besucht. Klar im Fokus standen die Informationen von Claudia Maria Ewers-Lauer, Präsidentin der Deutschen Fahrlehrer-Akademie (DFA), und Jürgen Kopp, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V. (BVF). Es ging um den erst fünf Tage zuvor von der Bundesregierung veröffentlichten Referentenentwurf zur Reform der Fahrausbildung. Dieser wurde am 20. Mai wie geplant vom Bundeskabinett beschlossen und soll bis Anfang 2027 als Gesetz in Kraft treten.

 

Mit der Politik ging Jochen Klima, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V., scharf ins Gericht: Die CDU habe im Superwahljahr 2026 mit dem spekulativen Versprechen „Wir machen den Führerschein billiger“ die bisherige Fahrschulwelt kurz und klein geschlagen.
 

Kollateralschaden wird in Kauf genommen

„Mit der Abschaffung des obligatorischen Theorieunterrichts zugunsten einer rein digitalen Vorbereitung auf die Theorieprüfung mittels einer Lern-App, dem Wegfall einer vorgegebenen Anzahl an gesetzlichen Sonderfahrten und der Einführung der Laienausbildung wollte und will man die Jungwähler davon überzeugen, auf dem Wahlzettel ihr Kreuz bei der CDU zu machen. Dass dabei die Verkehrssicherheit vor die Hunde geht und man damit in Deutschland die Ziele der Vision Zero zunichtemacht, wird als Kollateralschaden in Kauf genommen“, bringt es Klima auf den Punkt.

Den Gipfel seiner arroganten Geringschätzung des Berufsstandes lieferte der Bundesverkehrsminister laut Klima schließlich mit seiner Antwort auf die Frage eines Journalisten: „Ist Ihnen bewusst, Herr Minister, dass Ihre Ankündigung des bezahlbaren Führerscheins zu einem die Fahrschulen wirtschaftlich schädigenden Rückgang der Anmeldungen geführt hat?“ Seine Antwort: „So ist die Welt nun einmal!“
 

Keine Engpässe bei Terminen für die praktische Prüfung 2026

Mit Blick auf den TÜV SÜD hob Klima hervor, dass die Zusammenarbeit im Wesentlichen zufriedenstellend und konstruktiv sei, und auch die Durchführung der Fahrerlaubnisprüfungen durch die aaSoP der TÜV SÜD Auto Service GmbH weitgehend beanstandungsfrei laufe. Positiv vermerkte Klima außerdem, dass derzeit in keinem Marktgebiet Engpässe bei Terminen für die praktische Prüfung bestehen und die Zahl der praktischen Prüfungen im Vergleich zum Vorjahr erneut gesteigert werden konnte. Der FLVBW-Vorsitzende erinnerte in diesem Zusammenhang an das vergangene Jahr, als die kurzfristige Streichung externer Wechselplätze für praktische Prüfungen in Stuttgart, Sindelfingen und Bietigheim zu erheblichem Unmut bei der Fahrlehrerschaft im Marktgebiet Stuttgart führte. Nachdem der Verband Presse und Politik eingeschaltet hatte, blieben die Vertreter des TÜV SÜD der Mitgliederversammlung des Verbandes am 26. April 2025 in Pforzheim fern. Inzwischen, so Klima, habe sich das baden-württembergische Verkehrsministerium vermittelnd in die Angelegenheit eingeschaltet und bei der Suche nach Lösungen eingegriffen. Nun konnte ein sinnvoller Weg für untertägige Wechsel bei den Fahrschulen gefunden werden, der zunächst einmal für ein Jahr getestet werden soll. Allerdings hake es noch ziemlich, wie die ersten Rückmeldungen zeigten. Weitere Gespräche sind laut Klima erforderlich.

Nicht zuletzt aufgrund der angeblich so schlechten Bestehensquoten bei der Theorieprüfung sind Klima zufolge TÜV und Fahrschulen ins Visier der Reformbestrebungen des Bundesverkehrsministers geraten. Sinnvollerweise sollen nun, wie im Referentenentwurf vorgesehen, die Formulierungen und die Sprache der Prüfungsfragen verständlicher gefasst werden. Im Rahmen des neuen Bewertungssystems sei vorgesehen, dass es künftig für jede falsch beantwortete Frage nur noch einen Fehlerpunkt gebe, egal, welchen Schwierigkeitsgrad die Frage habe. Allerdings gibt es im Fragenkatalog auch sicherheitsrelevante Fragen, die dort mit einem Sternchen versehen sind, betont Klima.

Hier führe ein Fehler zum sofortigen Nichtbestehen. Werden dagegen alle Sternchenfragen korrekt beantwortet, dürften im Gegenzug beim Ersterwerb drei andere Fragen falsch beantwortet werden, hebt der FLVBW-Vorsitzende hervor. Anders ausgedrückt: Mit drei Fehlerpunkten hat man die Prüfung noch bestanden. Klima zweifelt allerdings daran, dass dieses neue System ein Gamechanger für höhere Bestehensquoten sein kann.

Sein Gegenvorschlag lautet: Wieder eine Vorschrift einzuführen, wonach bei dreimaligem Nichtbestehen eine dreimonatige Wartefrist einzuhalten ist. So verlocke die äußerst liberale Regelung, die Theorieprüfung während der zwölfmonatigen Gültigkeit des Prüfauftrags nach vierzehn Tagen Wartezeit beliebig oft wiederholen zu dürfen, doch regelrecht dazu, die Prüfung einfach auf gut Glück immer wieder anzugehen. „Und das spiegelt sich zwangsläufig in der Zahl der erfolglosen Prüfungen wider“, ist Klima überzeugt. Zudem könnten auch obligatorische Lernstandskontrollen sowie Tests zur Prüfungsreife zur Verbesserung der Bestehensquoten beitragen.
 

„Riesengroße Frechheit“: Immer noch nicht zurückerstattete Coronahilfen

Ein weiterer Brennpunkt für Klima ist die noch nicht erfolgte Rückzahlung von Coronahilfen. Der FLVBW-Vorsitzende: „Die Corona-Pandemie mit ihren staatlich verordneten Lockdowns und den Fahrschul-Zwangsschließungen für acht Wochen zwischen März und Mai 2020 sowie für sieben Wochen im Januar und Februar 2021 liegt nun seit mehr als fünf Jahren hinter uns. Der juristische Streit um die Coronahilfen ist aber bis heute noch nicht abgeschlossen.“ So hätten nach dem Ende der Pandemie zahlreiche Unternehmen in Baden-Württemberg ihre Corona-Soforthilfen zurückzahlen müssen. Insgesamt 62.000 von ihnen sollen nun das Geld wieder zurückerhalten. Das hatte der baden-württembergische Verwaltungsgerichtshof bereits im Oktober 2025 entschieden.

Wer jedoch meine, sein Geld zügig wiederzubekommen, sehe sich getäuscht. Nach Angaben der Landesregierung sollten betroffene Kleinunternehmen, Solo-Selbständige und Freiberufler die Rückzahlung nach einer Antragstellung über eine digitale Plattform des Wirtschaftsministeriums erhalten. Ab wann und über welche Plattform Rückzahlungsanträge gestellt werden können, sei jedoch noch offen. Klima: „Wie hier mit Geld, das den Firmen zusteht, umgegangen wird, ist eine riesengroße Frechheit. Vor allem, weil man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass die Verantwortlichen beim Land und bei der zuständigen L-Bank hoffen, dass nicht alle Berechtigten rechtzeitig reagieren und das Land auf diese Weise Geld sparen kann.“

 

Jochen Klima sprach über wichtige aktuelle Themen, die die Arbeit der Fahrschulen bewegen.

 

Zahlreiche Fragen bleiben offen

Ein Dorn im Auge sind Klima überdies die immer mehr um sich greifenden Betrügereien bei der theoretischen Fahrerlaubnisprüfung und damit die Frage, wie der Staat diesen Einhalt gebieten will. Gleichwohl sei es positiv, dass die Behörden begonnen hätten, nachweislich nach einem Betrug bei der Theorieprüfung erschlichene Fahrerlaubnisse zu widerrufen. Erfreulich sei zudem, dass bereits Betrüger, die sich bei Prüfungen als Stellvertreter zur Verfügung gestellt hätten, zu Haftstrafen verurteilt wurden.

Nicht nachvollziehbar sind für den FLVBW-Vorsitzenden aber auch Fragen zu Cannabis und zur Automatikregelung: „Hat der Gesetzgeber mit der Anhebung des Grenzwertes für Teilnahme am Straßenverkehr unter dem Einfluss von Cannabis auf 3,5 ng/ml Blut nicht ein völlig falsches Signal an die Konsumenten gesetzt? Oder auch, warum startet die Bundesregierung nicht endlich eine nochmalige Initiative bei der EU mit dem Ziel der ersatzlosen Streichung der Automatikregelung?“ Die Schweiz habe es doch vorgemacht, und ganz offensichtlich sind dort die Unfallzahlen der Fahranfänger nicht angestiegen, obwohl sie ihre praktische Prüfung ausnahmslos und ohne Einschränkungen auf einem Automatikfahrzeug ablegen. „Und dass die Fahrschulen dann weniger Fahrzeuge bereithalten müssten, würde die Ausbildungskosten im Handumdrehen senken“, weiß Klima nur zu gut.
 

Kopp: Alles wenig erfrischend

„Unsere Qualitätskriterien, die uns wichtig waren, wurden aus dem Referentenentwurf herausgestrichen. Zudem ist es nun im Paragrafen 1 der Fahrschulausbildungs-Verordnung wichtiger, die Prüfung zu bestehen als die Ausbildung zum sicheren, umweltbewussten und verantwortungsvollen Verkehrsteilnehmer. Es ist alles wenig erfrischend“, fasst Jürgen Kopp, BVF Vorsitzender, den frisch eingetroffenen Referentenentwurf gleich zum Auftakt des gemeinsamen Vortrags mit DFA Präsidentin Claudia Maria Ewers-Lauer im öffentlichen Teil der Mitgliederversammlung zusammen. Laut Ewers-Lauer bedeutet Reform eine Umgestaltung, nicht jedoch eine radikale Veränderung. Ziel einer Reform sei eine Verbesserung. Grundsätzlich stehe die Fahrlehrerschaft im Übrigen einer Reform positiv gegenüber.

 

Fachlich-strukturierte Reformen und eine koordinierende Fachinstanz

So müsse die Fahrschüler-Ausbildungsordnung, die seit 1998 kaum mehr nennenswerte Veränderungen erfahren habe, zwar dringend aktualisiert und an die technischen und sozialen Hintergründe angepasst werden. Schließlich, so die DFA Präsidentin, trage die Fahrausbildung vornehmlich für junge Menschen als zentraler Impulsgeber für die Vorbereitung auf den Straßenverkehr eine enorme Verantwortung. Ohne pädagogische „Qualitätsanker“, wie einen vernünftigen Kompetenzrahmen, klare Mindestausbildungsinhalte oder strukturierte Ausbildungspläne, bleibe die Fahrausbildung jedoch hinter ihren Möglichkeiten zurück. Um das Gesamtsystem zu verbessern, brauche es dringend fachlich-strukturierte Reformen und eine koordinierende Fachinstanz, so die DFA Präsidentin.

 

Laienausbildung: hochgradig gefährdend

Nach ihrem Rückblick auf die Historie der Fahrausbildung hob sie die 2018 festgelegten sehr hohen pädagogischen Standards unter Hinzuziehung von Qualitätskriterien in der Fahrlehrer-Ausbildungsverordnung hervor. Sie erinnerte zudem an die mit hohen Anforderungen verbundene Laienausbildung, die 1986 gestrichen wurde. Die Gründe für die Abschaffung, so Ewers-Lauer, seien damals wie heute die gleichen. So wurde es 1986 als unvertretbar angesehen, die Ausbildung von Fahrschülern jemandem anzuvertrauen, der nicht seine geistige, körperliche sowie fachliche Eignung nachgewiesen habe. Durch die vom Bundestag angestrebte Regelung könne zudem nicht ausgeschlossen werden, dass ungeeignete Personen zur Ausbildung ermächtigt würden, hieß es bereits damals. Ebenso wenig könne die fachliche Eignung ohne Weiteres unterstellt werden. Und: Angesichts der gestiegenen Anforderungen an die Fahrschülerausbildung, so hieß es schon 1986 weiter, stelle die Ausbildung durch ungeeignete Personen eine hochgradige Gefährdung des öffentlichen Straßenverkehrs dar. „Das war 1986, jetzt haben wir 2026. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen“, sagt die DFA Präsidentin vor allem mit Blick auf die angestrebte „Experimentierklausel“ der aktuellen Regierung, durch die es wieder ermöglicht werden soll, dass Fahrschüler künftig unter der Anleitung von nahestehenden Personen Fahrpraxis auf öffentlichen Straßen erwerben dürfen. Für Ewers-Lauer ist es zudem nicht einzusehen, dass die Anforderungen an die Fahrlehrer angehoben werden, während es die Ausbildung durch Nichtfachleute gibt und die Voraussetzungen dafür sogar noch gelockert werden.

 

Claudia Maria Ewers-Lauer und Jürgen Kopp beim gemeinsamen Vortrag zur Reform.

 

Reform entspricht einer Deregulierung des Fahrschulmarktes

Jürgen Kopp stellte klar, dass die Branche die Reform, die einer Deregulierung des Fahrschulmarktes gleichkomme, weder stoppen noch verhindern konnte. Die Regierung habe gewollt, die Reform im Schnellverfahren durchzuziehen. Die vorgesehene Abschaffung der Pflicht zum Präsenzunterricht in der theoretischen Fahrausbildung und damit die Möglichkeit, sich das Wissen vollständig über einen digitalen Weg anzueignen, nannte Kopp ein reines Wunschkonzert für die Bewerber. De facto, so die Referenten, würden die Inhalte in diesem Fall nur oberflächlich gelernt und bedürften der Erläuterungen in den praktischen Fahrstunden. Das wiederum führe zu mehr Lernzeit in der Praxis. Die Folge: Das zuvor eingesparte Geld würde in den Fahrstunden wieder ausgegeben werden.

Mit Blick auf die geplanten, um 30 Prozent reduzierten Prüfungsfragen in der Theorie meinte Kopp zudem: „Qualitätskriterien für den theoretischen Unterricht gestrichen.“ Sorgen bereiten Kopp zudem die avisierten Änderungen in der praktischen Fahrausbildung und der damit verbundene Wegfall der vorgeschriebenen 12 Sonderfahrten für Überland-, Autobahn- und Dunkelheitsfahrten. Die neue Regelung, wonach die Anzahl der benötigten Sonderfahrstunden und damit die Einschätzung der Kompetenz der Fahrschülerinnen und -schüler künftig durch die Fahrschule erfolgen soll, ist für Kopp eine schiere „Herkulesaufgabe“.

 

Reformvorschläge als Kostenfalle

Ein Teil der Reformvorschläge, so die Vortragenden übereinstimmend, böten zwar ein gewisses Einsparpotential. Gleichwohl warnten sie vor einer Kostenfalle. So müssten Defizite aus der Laienausbildung oft mühsam und teuer vom Fahrlehrer korrigiert werden. Auch sei bekannt, wer weniger professional trainiert, fällt statistisch öfter durch. Um Kosten tatsächlich zu senken, müsse es dagegen verbindliche Lernfortschritts- und Lernstandsbeurteilungen geben, eine funktionale Verzahnung von Theorie und praktischen Fahrten durch vorbereitendes E-Learning, einen gezielten Simulatoreinsatz, digitale, kompetenzorientierte Lernfortschrittsnachweise sowie einen kostenfreien Zugang zu amtlichen Prüfungsfragen. Erst eine verbesserte Vorbereitung auf die theoretische Fahrerlaubnisprüfung und eine Verkürzung der Lernzeit im Auto, indem die Vorbereitung auf die praktische Ausbildung im theoretischen Unterricht und in Selbstlernphasen optimiert werde, helfe Kosten einzusparen. Ein digital dokumentierter Lernfortschritt ermögliche zudem einen Überblick über den aktuellen Ausbildungsstand und schaffe mehr Transparenz über den Ausbildungsprozess.

 

Das Reformvorhaben: Rückschritt mit Ansage

Wenn politische Symbolik über fachliche Substanz gestellt werde, entpuppe sich eine geplante Reform wie jetzt bei näherem Hinsehen als „Rückschritt mit Ansage“, so die Referenten. Zur Begründung führten sie die seit 1957 geschaffenen und immer wieder optimierten Regelungen rund um den Fahrerlaubniserwerb, und hier besonders die Fahrlehrerausbildungs-Verordnung sowie die Fahrlehrer-Ausbildungsverordnung, an. Ihr Ziel: die Verbesserung der Fahranfängervorbereitung, das Absenken der Unfallzahlen und die Reduzierung tödlicher Unfälle. Auch heute, so Ewers-Lauer und Kopp, müsse eine Reform diese Ziele im Auge behalten: „Eine Deregulierung, ein Aufweichen von bewährten Anforderungen oder auch eine Experimentierklausel in Sachen Laienausbildung wird diesen Zielen niemals mehr gerecht werden.“

 

„Wir kriegen das hin“

Sei es, wie es ist. Der BVF Vorsitzende zeigte sich davon überzeugt, dass die Branche kreativ genug ist, trotz des Reformvorhabens der Bundesregierung und damit einer zu erwartenden wachsenden Anzahl von Wettbewerbern in der Branche Lösungen zu finden. Als Beispiele für mehr Service am Kunden nannte die DFA Präsidentin Pay-per-use-Modelle, das Schnüren von Ausbildungspaketen, ganztägige Online-Erreichbarkeit oder auch eine insgesamt stärkere Nutzung der KI.

Entscheidend für Ewers-Lauers ist letztendlich, dass die Branche trotz der auf sie zukommenden Veränderungen weiter zuversichtlich bleibt. Dann bekomme man die Dinge auch wirklich hin. Damit schloss Ewers-Lauer an das Zitat zum Auftakt ihres Vortrags von Václav Havel an: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“ Mit ihrem Fazit „Wir kriegen das hin“ kamen die Referenten unisono zum Ergebnis, dass die Fahrlehrergemeinschaft auch die neuen und großen Herausforderungen stemmen werde.

 

Bub: „Schaut euch eure Verträge an“

In ihrem authentischen und aufrüttelnden Vortrag appellierte Sylke Bub, Vorstandsvorsitzende der berufsständischen Fahrlehrerversicherung, an die anwesenden Mitglieder, gerade in unsicheren Zeiten wie diesen zu prüfen, ob sie tatsächlich den Versicherungsschutz genießen, den sie benötigen. Schließlich könnten keine Schäden bezahlt werden, die nicht versichert seien. Ihre Empfehlung daher: „Schaut euch eure Verträge an und prüft, ob sie tatsächlich noch passen.“ Auf die Frage zahlreicher Mitglieder, was das Minimum an Versicherung sei, stellte Bub zudem klar, dass dies stets von dem verfügbaren Geld abhänge: „Verfüge ich über ausreichend Geld, ist Versicherung eine Option. Habe ich keins, ist sie existentiell“, so Bub. Darüber hinaus thematisierte sie eine weitere Frage, die zahlreiche Fahrschulen aktuell umtreibt, nämlich ob die Fahrlehrerversicherung die Branche trotz Reformvorhaben noch wie bisher unterstützen werde. Mit ihrem klaren Ja auf diese Frage unterstrich Bub, dass die Branche nicht nur ihre Kunden, sondern vielmehr Mitglieder und Eigentümer der Fahrlehrerversicherung seien und ihnen daher selbstverständlich unverändert unter die Arme gegriffen würde. Sie wies überdies auf den klar erweiterten Leistungsumfang der Versicherung hin. „Wir sind heute nicht nur der beste Versicherer für eure Fahrschulfahrten. Wir bieten darüber hinaus neue Tarife für die Fahrzeuge eurer Familienmitglieder, bieten Hausrat-, Wohngebäude- oder auch Unfallversicherung“. Daher, so Bub weiter, schaut euch unser Portfolio an und lasst euch beraten. Ihr profitiert doppelt: direkt durch einen sehr guten Versicherungsschutz und indirekt, indem jeder Vertrag die Gemeinschaft stärkt und der Branche mehr Verhandlungsspielraum gibt.

 

Sylke Bub informierte über aktuelle Angebote und appelliert an die Prüfung der Versicherungsverträge.

 

Jochen Krebs, TÜV SÜD: praktische Fahrerlaubnisleistungen 2025 auf Rekordniveau

Über die Entwicklung der Bestehensquoten und die rückläufigen Zahlen der eingehenden Prüfaufträge informierte Jochen Krebs, Leiter der Service-Line der TÜV SÜD Auto Service GmbH. Krebs zufolge befanden sich die praktischen Fahrerlaubnisleistungen 2025 auf Rekordniveau, während es einen Rückgang der Theorieprüfungen gab. Die Bestehensquoten in der Theorie hätten sich verbessert, während die positiven Praxisprüfungen der Klasse B leicht rückläufig ausfielen; die BF17-Prüflinge hätten jedoch eine signifikant höhere Erfolgsquote gehabt als die Klasse B. Außerdem stellte Krebs mit Blick auf Erstversuch versus Wiederholung fest, dass Erstprüfungen mit höheren Bestehensquoten bei Theorie und Praxis durchkamen, während Absolventen von Wiederholungen deutlich schwächer waren. Mit Blick auf Nichtantritte lautete sein Fazit: Seit 2022 deutliche Rückgänge mit zuletzt minus 40 Prozent gegenüber dem Höchststand des Jahres 2022. Als Gründe nannte Krebs formale Hürden oder auch Rechtsgründe, wie nicht erfüllte Voraussetzungen, oder auch vergessene Ausweise oder fehlende Ausbildungsbescheinigungen.

 

Interne Mitgliederversammlung: Erfolgreiche Schnuppermitgliedschaft

Im Fokus der internen Mitgliederversammlung am Vormittag standen der Geschäftsbericht 2025/26 sowie die Kassenberichte 2025. Dabei hob Jochen Klima vor allem die steigenden Verkehrstoten mit plus 44 Menschen auf 2.814 gegenüber dem Vorjahr hervor. Bezüglich der auf der Stelle tretenden konjunkturellen Perspektiven mahnte Klima die Mitglieder an, sämtliche Ausgaben auf den Prüfstand zu stellen und Investitionen sorgsam zu planen. Was die Mitgliederzahlen betraf, konstatierte Klima erneut eine leicht rückläu􀂿ge Entwicklung. Dagegen sei die 1996 eingeführte kostenlose sechsmonatige Schnuppermitgliedschaft nach wie vor ein effektives Instrument zur Gewinnung neuer Mitglieder. Beschlossen wurde, die Mitgliedsbeiträge unverändert zu lassen. Die nächste Mitgliederversammlung wurde für den 17. April 2027 angekündigt. Zu den Kassenberichten 2025 gab es keine Anmerkungen. Die Entlastung des Vorstandes erfolgte einstimmig bei 5 Enthaltungen. Für 2026 wird ebenfalls mit einem positiven Ergebnis der Bilanz gerechnet; angesichts steigender Kosten werde es sich voraussichtlich reduzieren.

 

Volles Haus – starke Beteiligung – echter Erfolg

Die 76. Mitgliederversammlung im CongressCentrum Pforzheim unter Leitung ihres engagierten Vorsitzenden Jochen Klima war erneut eine stark besuchte, mit brennenden Themen und lebhaften Diskussionen gefüllte Veranstaltung, die große Resilienz und Mut der anwesenden Teilnehmer wie auch der Referenten zeigte. Bravo! In der Ruhe liegt die Kraft! Weiter so!
 

Isabella Finsterwalder / Fotos: Werner Kuhnle

 


 

 

Zum Inhalt der FahrSchulPraxis Ausgabe Juni 2026...


Empfehlungen: