Leserbrief: Aufruf an meine Kolleginnen und Kollegen zum Thema Reform der Fahrausbildung
Für den 25./26. März 2026 rief uns die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V. zu einer Verkehrssicherheitskonferenz nach Lindau: 800 Plätze - und nicht mal ein Drittel davon besetzt. Was muss eigentlich noch passieren? Seit Jahren hören wir: „Die Verbände tun zu wenig.“ Und wenn dann gehandelt wird – eine große, zweitägige Verkehrssicherheitskonferenz, öffentlichkeitswirksam, richtungsweisend – zu einem Thema, bei dem es um unsere Zukunft geht – dann bleibt ihr einfach weg? Wie passt das zusammen?
Es geht um die Sicherheit auf unseren Straßen. Es geht um unseren Beruf. Es geht um unsere Existenz! Und wir bleiben fern? Leere Stühle senden eine klare Botschaft nach außen. An die Politik, die Medien, die Öffentlichkeit. Die Botschaft lautet: „Alles halb so schlimm, kein Handlungsdruck, die Branche schweigt.“ Aber wir schweigen doch nicht wirklich? Oder haben wir uns längst daran gewöhnt, nur noch zuzusehen? Zu beobachten? Zu hoffen, dass andere es schon für uns richten werden? So funktioniert das in der Demokratie nicht. So verlieren wir. Ein Berufsstand, der nicht sichtbar ist, findet nicht statt. Ein Berufsstand, der nicht laut ist, wird überhört. Ein Berufsstand, der nicht handelt, wird übergangen. Und genau das passiert gerade. Verkehrsminister Schnieder sagte uns nassforsch, dass man unsere Berufsarbeit jedem Laien überlassen kann. Das dürfen wir uns doch nicht gefallen lassen – oder? Ich sage es deutlich: Wer jetzt nichts tut, entscheidet sich – bewusst oder unbewusst – für Stillstand. Und Stillstand bedeutet Rückschritt. Also was tun? Aufstehen! Präsenz und Haltung zeigen!
Kolleginnen und Kollegen, nutzt eure Kontakte. Jeder kennt jemanden – in der Politik, in den Medien, in entscheidenden Positionen. Sprecht sie an. Bringt das Thema in die Öffentlichkeit – gerne auch auf den Stammtisch.
Denn eines ist klar: Verkehrssicherheit ist nicht verhandelbar. Unsere Verbände kämpfen. Aber sie kämpfen nicht für sich – sie kämpfen für uns. Und sie können diesen Kampf nicht ohne unsere Unterstützung gewinnen. Wenn wir jetzt nicht geschlossen auftreten, wird über uns entschieden – nicht mit uns.
Noch ist Zeit. Aber nicht mehr viel. Wir alle sind zu aktivem Handeln aufgerufen.
Heiko Ruess, Göppingen
Zum Inhalt der FahrSchulPraxis Ausgabe Mai 2026...

