27.08.2025© FahrSchulPraxis - Entnommen aus Ausgabe August 2025, Seite 426

UPDATE: Krisen kommen und gehen / Fußgängerüberweg - Schutzzone für Radelnde?

Krisen kommen und gehen

Die Wirtschaft schwächelt, aber sie ist nicht krank. So viel vorab. Seit Überwindung der Finanzkrise von 2008 lebten wir Deutsche in Saus und Braus. Wir waren u.a. Weltmeister im Urlauben, im Konsumieren und in der Erfindung teurer sozialer Wohltaten. Das Geld war locker, weil billig, und die Wirtschaft lief im oberen Drehzahlbereich. Dies nicht zuletzt dank anhaltend hoher Exportquoten. Eine erste saftige Mahnung war die Corona-Krise, die uns Anfang 2020 überfiel. Hinterher gings mit der Wirtschaft, zunächst von vielen unbemerkt oder verdrängt, nur noch bergab. Nun stehen wir im dritten Rezessionsjahr und hoffen – wie einst Wirtschaftsminister Prof. Karl Schiller in der Wirtschaftsflaute von 1967 –, dass „die Pferde bald wieder saufen“. Dabei denken wir besonders auch an die Automobilindustrie und deren Zulieferer. Die Schwarzseher sagen diesem Industriezweig eine Invasion aus China voraus, die zu einem gnadenlosen Preiskrieg führen werde, den die europäischen Hersteller nicht gewinnen könnten. Es folgen die üblichen Vorhaltungen über das Verpennen des E-Antriebs und die von einzelnen Automanagern geäußerte Ablehnung des Verbrennerverbots für Neufahrzeuge ab 2035.

Vor diesem dunklen Hintergrund wirkt es geradezu sensationell, dass die Volkswagen-Gruppe im ersten Halbjahr 2025 in Europa Marktführer der Elektroautos wurde und damit Tesla deutlich überholte. Auch in Deutschland war VW bei Erstzulassungen von E-Autos mit Abstand Nummer 1; gemeint sind rein batterie-elektrisch angetriebene Fahrzeuge, sog. BEV, also keine Hybride.

Bei aller berechtigten Skepsis sollten wir nicht vergessen: Die deutschen Automobilhersteller besitzen ein gewachsenes Knowhow, liefern höchste Fertigungsqualität und Durabilität. In der Auto-IT (Infotainment-Systeme) haben sie rasant aufgeholt. Die Konkurrenz ist zwar groß, aber letztlich entscheidet nicht allein der Preis über den Erwerb eines neuen Autos. Wirtschaftskrisenjahre kommen und gehen. Doch dieses Mal ist das Bezwingen der Krise wegen des Krieges in der Ukraine und der neuen Zollpolitik der USA schwieriger, aber nicht aussichtlos. Das gilt auch für die deutsche und die europäische Automobilindustrie. GLH

 

Fußgängerüberweg - Schutzzone für Radelnde?

30er-Zone in Stuttgart. Die Fahrlehrerin greift zur Vollbremsung, Fahrschüler Hugo erschrickt, doch Radfahrer Fußfaul wechselt auf dem Zebrastreifen ganz unbeteiligt zur anderen Seite der Fahrbahn. Nur Sekunden zuvor fuhr Fußfaul auf dem rechten Fahrradweg mit kleinem Vorsprung parallel zum Fahrschulauto. Der Fahrschüler hat Fußfaul wohl gesehen, rechnete aber nicht mit dessen plötzlichem Schwenk nach links auf den Zebrastreifen. Ein seltener Einzelfall? Nein. Für Radfahrer ist das Absteigen vor dem Überqueren einer Fahrbahn auf dem Zebrastreifen unmodern geworden. Eine Unsitte, die den Radfahrern als Frontleuten des Umweltschutzes meist nachgesehen wird. Ein höchstrichterliches Urteil über einen Unfall mit Körperverletzung, der sich aus einer wie der eingangs beschriebenen Situation ergeben hat, ist mir nicht bekannt. Ich weiß auch nicht, ob man von der Polizei verlangen sollte, besonders auf das Verhalten von Radfahrern an Fußgängerüberwegen zu achten. Ich weiß nur, dass der Paragraf 26 StVO dringend einer Ergänzung bedarf. Dabei sollte man das zur Gewohnheit gewordene Verhalten vieler Radfahrer nicht ganz übersehen, aber deutlich machen, dass ihnen der Schutz von Fußgängern auf Zebrastreifen nicht 1 zu 1 zusteht. GLH

 

 


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