Zum Stand der E-Mobilität: Ausufernde Spritpreise wirken pro BEV
Dieser Beitrag von FPX- Redakteurin Isabella Finsterwalder versteht sich als eine Art Informationsleitfaden zur Elektromobilität für Fahrschulen und deren Fahrzeugparks. So ist angesichts horrend gestiegener Spritpreise der Trend zur E-Mobilität zwar unübersehbar, doch erst die Realität wird zeigen, was trägt. Damit Fahrschulen auch für mögliche Fragen ihrer Schüler zur E-Mobilität gewappnet sind, hier ein Überblick.
Die E-Mobilität in Deutschland erlebt in diesem Jahr einen klaren Aufschwung. Neue Förderungen (bis 6.000 Euro) für einkommensschwächere Haushalte und Familien beim Kauf neuer E-Autos sowie weitere E-Fahrzeugmodelle, darunter zahlreiche Kompaktmodelle, prägen Nachfrage und Absatz.
Laden in Deutschland
In Deutschland stehen aktuell rund 195.000 öffentliche Ladepunkte zur Verfügung, davon etwa 50.000 Schnellladepunkte, also rund ein Viertel des Gesamtbestandes, und das bidirektionale Laden* wird standardisiert. Der neueste Electromobility Report vom Center of Automotive Management (CAM) unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Bratzel zu den Entwicklungstrends der Elektromobilität und einer Segment- und Modellanalyse der Neuzulassungen in Deutschland zwischen Januar und März 2026 bestätigt klar den Aufwärtstrend der E-Mobilität. So ist die Zahl der batterieelektrischen Modelle (BEV) von 134 im Jahr 2024 auf 155 (Januar bis März 2026) geklettert. Mit 86 Modellen – das sind immerhin 55 Prozent aller verfügbaren E-Modelle – dominieren laut Bratzel die SUVs unverändert das E-Modellangebot. Bei den Neuzulassungen lässt sich eine Verschiebung in kleinere Segmente feststellen. Damit gewinnen kleinere und mittlere Fahrzeugklassen deutlich an Bedeutung. Ihr Anteil an den Neuzulassungen steigt laut Studie von rund 10 Prozent im Jahr 2024 auf etwa 25 Prozent im Jahr 2026. Diese Entwicklung ist laut Bratzel unter anderem auf das verbreiterte BEV-Angebot bei Minis, Kleinwagen und Mittelklasse im Untersuchungszeitraum von 17 auf 29 Modelle zurückzuführen. Auch beim Preis zeigen vor allem die volumenstarken Segmente Fortschritte. So ist hier der Durchschnittspreis gegenüber 2024 mit 56.669 Euro auf 52.934 Euro in diesem Jahr zurückgegangen. Die Premiumsegmente dagegen machen weiter mit steigenden Preisen von sich reden.
Reichweiten gesteigert
Der deutliche technologische Fortschritt bei Elektrofahrzeugen zeigt sich dank immer besserer Hochvolt-Batterien (teuerstes Bauteil im E-Auto) durch höhere Reichweite und Ladeleistung. In den vergangenen fünf Jahren haben sich die Preise der Zellen halbiert, während die Leistungsdichte gestiegen ist. So stiegen laut CAM die Reichweite gegenüber 2022 von 376 km auf 480 km (2026) und die Ladeleistung von 116 kW auf 171 kW, was ebenfalls die klare technologische Verbesserung bei Elektrofahrzeugen unterstreicht.
Hemmnisse für die E-Mobilität
Trotz deutlicher technologischer Fortschritte bei Reichweite und Ladeleistung bleibt das Preisniveau von Elektrofahrzeugen ein zentraler Hemmfaktor für den weiteren Markthochlauf in Deutschland. Im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor bestehen weiterhin deutliche Unterschiede bei den Anschaffungskosten, die insbesondere für preissensiblere Kundensegmente eine wichtige Rolle spielen. Dies zeigt sich auch daran, dass aktuell nur 18 Elektromodelle zu einem Listenpreis von unter 30.000 Euro angeboten werden und das Angebot im Einstiegssegment damit weiterhin begrenzt ist“, so Bratzel. Er erwartet jedoch, dass die Hersteller zunehmend die preisliche Attraktivität der Elektromodelle gegenüber Verbrenner-Modellen durch günstige Leasingangebote steigern werden, u.a. um die CO2-Flottenziele der Europäischen Union zu erreichen.
Ist die E-Mobilität auf Erfolgskurs?
Schon im letzten Quartal 2015 gingen die BEV auf Erfolgskurs. Dieser setzte sich im ersten Quartal 2026 fort. Immer mehr Firmen und Privatpersonen steigen auf BEV um. Laut HUK wollen 15 Prozent in den kommenden zwei Jahren bei ihrem privaten Fahrzeugwechsel auf rein elektrischen Antrieb umsteigen. Der momentane Nepp bei Diesel und Benzin wegen des Irankrieges könnte das Interesse an reinen Stromern noch deutlich erhöhen.
In Großstädten fehlen öffentliche Ladesäulenparks
Ein Umstieg auf das BEV wirft für viele Bewohner dicht besiedelter Großstadtquartiere die Frage nach wohnungsnahem Laden auf. Damit erklärt sich das etwas geringere Interesse an BEV in Großstädten mit hohen Beständen an Mietwohnungen, die das Einrichten von Ladepunkten erschweren oder nicht zulassen. Zwar gibt es seit April dieses Jahres einen Fördertopf mit 500 Millionen Euro für Stadtbewohner, um die Ladeinftrastruktur in Mehrfamilienhäusern auszubauen. Doch wird sich erst zeigen, wie groß der Effekt ist. Ganz anders sieht es bei Besitzern eines eigenen Hauses oder einer eigenen Wohnung aus: 81 Prozent aller privaten E-Autos in Deutschland werden von Immobilienbesitzern gefahren. Ideal ist die Wallbox an der Außenwand oder in der Garage.
Ist die Marke entscheidend?
Für viele potenzielle Käufer von BEV ist die Marke wichtig. Für mehr als jeden vierten Führerscheininhaber (27 Prozent) kommen nach HUK nur Elektroautos einer ganz bestimmten Automarke in Frage. Unter Vielfahrern, die jährlich mehr als 10.000 Kilometer zurücklegen, ist es sogar mehr als jeder Dritte (36 Prozent) ebenso wie bei Familien mit Kindern (37 Prozent). Wer im Monat mehr als 5.000 Euro netto verdient, ist sogar zu 52 Prozent auf eine bestimmte Automarke fixiert. Die HUK schließt daraus: Für einen grundsätzlichen Wechsel zur Elektromobilität müsste bei zehn Prozent der Führerscheinbesitzer nur noch die Voraussetzung erfüllt sein, dass ihre bevorzugte Automarke ein ihnen zusagendes Elektroauto im Portfolio hat.
Spritpreisrallye lässt Interesse an Verbrennern weiter sinken
Fakt ist aktuell: Seit Ausbruch des Kriegs im Iran Ende Februar sinkt das Interesse der deutschen Bevölkerung an Benzin- und Dieselfahrzeugen. Das heißt im Umkehrschluss: Die hohen Spritpreise wirken wie ein echter Katalysator für die E-Mobilität und lassen die Nachfrage nach Autos mit fossilen Antrieben deutlich sinken. Wie beispielsweise eine Auswertung der Online-Neuwagenvermittlungsplattform Carwow für die Automobilwoche ergeben hat, lag der Anteil der konfigurierten Benziner- und Dieselfahrzeuge im Februar noch bei 26 Prozent und sank bis Mitte März auf 18 Prozent. Dagegen kletterte der Anteil der konfigurierten E-Autos im selben Zeitraum von 58 auf 67 Prozent.
Zwar ist nicht zu erwarten, dass Kunden ihre Fahrzeuganschaffungen strikt von den neuesten News der Weltwirtschaft abhängig machen, jedoch wirken sich nach Überzeugung von Carwow Chef Philipp Sayler von Amende steigende Ölpreise unmittelbar auf das Interesse an E-Autos aus.
Fast die Hälfe der Deutschen würde sofort auf E-Autos wechseln
Studien von AutoScout24 oder mobile.de bestätigen angesichts der angespannten Weltlage ebenfalls einen schlüssigen Trend zur E-Mobilität. Stefan Schneck, Deutschland Vertriebschef von AutoScout24, beispielsweise konstatiert mit Blick auf eine aktuelle Analyse seines Unternehmens: „Knapp jeder Vierte erwägt aufgrund steigender Spritpreise den Umstieg auf die E-Mobilität. Das ist ein beträchtlicher Anteil, der mit anhaltend hohen Preisen weiter steigen dürfte. Der Preis an der Zapfsäule ist für viele längst mehr als ein Ärgernis – er wird zunehmend zum konkreten Anlass, die eigene Mobilität neu zu bewerten.“ Und, so Schneck weiter: „Dass gleichzeitig ein relevanter Anteil sein Verhalten nicht ändern würde, zeigt aber auch: Für viele Menschen ist das Auto keine flexible Entscheidung, sondern schlicht notwendig, um den Alltag zu organisieren.“
Wahl des E-Autos bei jedem Zweiten eine Frage der weltpolitischen Lage?
43 Prozent der Autokunden treffen ihre Entscheidung unabhängig von der derzeitigen weltpolitischen Situation. Jeder Zehnte ist bislang noch unentschlossen. Bei der allgemeinen Frage, was die Person tun würde, stünde morgen ein Autokauf an, antwortete jeder Dritte, dass er einen Verbrenner wählen würde, jeder Vierte würden sich für ein Hybridfahrzeug entscheiden und gut jeder Fünfte für ein reines Elektroauto.
Kostenersparnis schlägt Klimaschutzargument
Insgesamt schlägt für die Kunden laut Befragung die Kostenersparnis das Umweltargument. So sehen 36 Prozent der Befragten in der langfristigen Ersparnis das stärkste Argument für ein E-Auto – nicht im Klimaschutz. Interessant auch die Aussage, dass laut Befragung zwar 32 Prozent grundsätzlich nicht vom Verbrenner wegwollen, für viele hier allerdings das Preisniveau entscheidend ist. Laut Umfrage wären ganze 43 Prozent der Befragten bereit, bei anhaltenden hohen Spritpreisen dann doch auf ein E-Auto zu wechseln. Damit zeigt sich, dass Kosten klar vor Klimaschutz gehen. So dominiert für diejenigen, die den Stromer als echte Alternative zu Diesel- oder Ottomotoren sehen, die langfristige Kostenersparnis als stärkstes Kaufargument (36 Prozent). Erst dann folgt der Umweltaspekt (22 Prozent) sowie die größere Unabhängigkeit durch eigene Stromerzeugung (21 Prozent) – etwa via Solaranlage.
Fazit
Der Weg zur E-Mobilität ist gesetzt. Allerdings wird sich erst noch zeigen müssen, wie schnell und konsequent sich dieser Antrieb tatsächlich durchsetzt, denn schließlich hängen die Konsumentenentscheidungen in der Praxis von vielen Faktoren ab. So müssen neben einem starken Preis-Leistungs-Verhältnis auch Modellangebot, Ladeinfrastruktur und Reichweite für den einzelnen Käufer persönlich passen. Die ab Mai wirksam werdenden und rückwirkend ab Januar geltenden Förderprämien sowie die Höhe der Spritpreise für fossilen Kraftstoff könnten jetzt das Zünglein an der Waage sein und für einen echten E-Durchbruch sorgen. Was allerdings wirklich trägt, entscheidet sich im Alltag und nicht in der Analyse.
*Bidirektionales Laden (V2H/V2Gmacht E-Autos zu mobilen Speichern, die Strom nicht nur aufnehmen, sondern zur Nutzung z. B. im eigenen Haus auch abgeben können).
Zum Inhalt der FahrSchulPraxis Ausgabe Mai 2026...

