27.08.2026© FahrSchulPraxis - Entnommen aus Ausgabe August 2026, Seite 442

UPDATE: Vorbild Österreich?

Vorbild Österreich?

Bundesverkehrsminister Schnieder will in Deutschland die sog. Laienausbildung einführen. Danach sollen Erwachsene mit Besitz der Fahrerlaubnis Klasse B jungen Führerscheininteressenten das Autofahren auf öffentlichen Straßen beibringen. Dabei verwies Schnieder auf das angeblich so erfolgreiche Modell in Österreich. In ihrem Beitrag Ein Blick nach Österreich (FahrSchulPraxis 06/2026, Seite 358) zeigte Jennifer Spazier die Komplexität der dortigen Wege zum Führerschein auf. Doch was ist daran so erfolgreich? Der hohe Bürokratieaufwand samt Kontrollen? Die Mitfahrt der ausbildenden Laien in einer von Fahrlehrer/-innen erteilten Fahrstunde? Oder etwa die Unfallbilanz der 18- bis 24-jährigen österreichischen Inhaber des Führerscheins der Klasse B? Nach den bis heute bekannten offiziellen Daten der Unfallstatistik kamen 2025 in der genannten Altersgruppe in Österreich 38 Menschen im Straßenverkehr zu Tode, das sind pro eine Million Einwohner 4,2 Menschen. In Deutschland waren es 300, das sind 3,5 Menschen pro Million Einwohner. Auch bei der Zahl der im Verkehr Verletzten steht Deutschland besser da als Österreich. Was also bleibt da vom Vorbild übrig? Ein paar Groschen zu Lasten der Verkehrssicherheit? Statt hier unbeteiligt zuzuschauen, sollten die Abgeordneten im Bund und in den Ländern parteiübergreifend ihre Stimme gegen diesen Unfug erheben. Es geht den Fahrschulen nicht um die Konkurrenz der Laien. Doch bei einer Vermischung der Systeme, die nach den bis 1986 mit der Laienausbildung gewonnenen Erfahrungen zwangsläufig stattfand, wären klare Erfassungen der auf die Ausbildungsqualität zurückgehenden Unfallbeteiligung junger Kraftfahrer/-innen nicht mehr möglich. Interessant ist dazu eine vor kurzem vom TÜV veröffentlichte Meldung:

 

„Das deutsche Fahrerlaubnissystem ist leistungsfähig und erfüllt seinen hoheitlichen Auftrag zur Sicherung der Verkehrssicherheit“, sagt Goebelt. Aktuelle Unfallstatistiken zeigen, dass qualifizierte Ausbildung und Prüfung wirken: Die Zahl der im Straßenverkehr getöteten 18- bis 25-Jährigen ist seit dem Jahr 2005 um 70 Prozent gesunken (von 1.072 auf 319 in 2024). Gleichzeitig ist auch die Zahl der Unfälle mit Personenschaden, bei denen 18- bis 20-jährige Pkw-Fahrer/-innen die Hauptverursachenden waren, seit 2010 erheblich zurückgegangen – von 25.015 auf 13.862 im Jahr 2024, was einem Rückgang von 45 Prozent entspricht".

 

Diese Meldung sagt, so wichtig die auch sein mögen, nichts über Prüfungsquoten, sondern viel darüber, was danach passiert, und das ist im Sinne von Vision Zero entscheidend. GLH

 


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