02.06.2026© FahrSchulPraxis - Entnommen aus Ausgabe Mai 2026, Seite 282

Verkehrssicherheitskonferenz der BVF: Leben ist unbezahlbar!

Als Parallelveranstaltung zur Verkehrsministerkonferenz in Lindau rief die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V. (BVF) für 25. und 26. März 2026 – ebenfalls in Lindau – zu einer zweitägigen Konferenz auf, die ganz im Zeichen der Verkehrssicherheit stand.

 

Foto: Patrick Galster, Zeitschrift FAHRSCHULE

 

Als Gegenpol zu den Diskussionen der Verkehrsminister, bei der es vorrangig um die Frage ging, wie die Kosten für die Fahrausbildung gesenkt werden könnten, standen bei der BVF vor allem Themen rund um die Verkehrssicherheit auf der Agenda. Hierzu hatte der größte Zusammenschluss von Fahrlehrern in Deutschland zahlreiche kompetente Experten mit spannenden Referaten eingeladen.

 

Jürgen Kopp, Vorsitzender der BVF, begrüßte die ca. 250 Gäste herzlich und ging auf den aktuellen Stand der Reformpläne „Alles kann – nichts muss“ ein. Es drohe die völlige Abschaffung des Theorieunterrichts zu Gunsten reiner Wissensvermittlung mittels einer App. Er stellte klar, dass manche der Eckpunkte des BMV wie die totale Reduzierung der verpflichtenden Sonderfahrten oder Theorieausbildung ohne Präsenz ein völlig falscher Weg seien.

 

Professor Klaus Zierer, Bildungsforscher, zeigte eindrucksvoll die Folgen einer unreflektierten Digitalisierung des Fahrschulunterrichts auf. Trotz vielfältiger technischer Möglichkeiten sei digitaler Unterricht dem Präsenzunterricht nicht automatisch überlegen. Die klare Erkenntnis, dass digitale Lernformen keinen höheren Lerneffekt erzielen, werde von der Politik häufig ignoriert. Digitalisierung und Simulatoren könnten zwar die Ausbildung sinnvoll ergänzen, sie aber keinesfalls ersetzen.

 

Claudia Ewers-Lauer, Präsidentin der Deutsche Fahrlehrer-Akademie e.V. (DFA), argumentierte sehr fundiert gegen das Eckpunktepapier des BMV. Sie führte aus, Verkehrssicherheit dürfe kein Verhandlungsgegenstand sein. Es sei deshalb falsch, Billigpreise vor Pädagogik zu setzen. Technologie können den Fahrlehrer unterstützen, ihn aber nicht ersetzen. Es sei außerdem nachgewiesen, dass die Haltung und die Einstellung der Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer erheblich mehr Einfluss auf die Fahrschülerinnen und Fahrschüler hätten als die bloße Vermittlung fachlicher Kompetenzen.

 

Boris von Heesen, Wirtschaftswissenschaftler und Männerforscher, widmet sich der Frage, wie patriarchale Strukturen die Mobilität prägen und die Verkehrswende blockieren. Er sprach sich für eine lebenslange Mobilitätsbildung aus. Diese könnte sämtliche Verkehrsmittel einbeziehen, Gesundheits- und Umweltaspekte integrieren und damit den Verkehr sicherer machen. In einer auf den Vortrag folgenden Diskussion wurde von den Anwesenden vor allem die geplante Laienausbildung als ungeeignet und gefährlich bewertet.

 

Sylke Bub, Vorständin der Fahrlehrerversicherung VaG, ging auf den Zusammenhang zwischen den Beiträgen für die Fahrzeugversicherung und den Reformplänen ein. Da Versicherungen ihre Prämien an den Schadensverlauf anpassen, werden sich die Auswirkungen der Reform erst nach deren Umsetzung zeigen. Allerdings seien bspw. in England die Versicherungsprämien nach der Einführung der Laienausbildung auf das Dreifache angestiegen. Auf die Frage aus dem Publikum, wer denn bei der Laienausbildung die Verantwortung trage, berichtete Bub über eine „Kleine Anfrage“ der Grünen, die von der Bundesregierung dahingehend beantwortet wurde, dass der an der Laienausbildung teilnehmende Fahranfänger der Verantwortliche Fahrzeugführer sei und somit die alleinige Verantwortung für sein Handeln trage.

 

Harry Bittner, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Thüringen, stellte u.a. dar, dass die Ausbildung von Fahranfängern durch Laien allenfalls zu laienhaften Kenntnissen führen könne. Außerdem berichtete er über eine von der BVF in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage, bei der die Einführung der Laienausbildung von 49 Prozent der Bevölkerung abgelehnt werde. Bei den Eltern unter den Befragten lag die Ablehnungsquote sogar bei 59 Prozent. Ähnliche Werte gab es bei der Ablehnung bei der geplanten Reduzierung der Sonderfahrten (50 %, Eltern 64 %). Er sprach sich darüber hinaus für die Einführung kompetenzorientierter Lernzielkontrollen zur Selbstinformation und Eigenmotivation der Fahrschüler aus. Außerdem könnten regelmäßige Lernstands-Kontrollen den Fahrlehrer bei der Planung der Ausbildungsschritte unterstützen, für mehr Transparenz sorgen und sich ebenfalls motivierend auf Fahrschüler auswirken.

 

Klaus Napierski, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Niedersachsen, verwies darauf, dass das Begleitete Fahren mit 17 Jahren (BF17) ein echtes Erfolgsmodell sei. Dies vor allem weil die Begleitphase nicht Teil der eigentlichen Fahrausbildung sei. Vor der Begleitphase müsse eine professionelle Ausbildung auf hohem Niveau und die bestandene Fahrerlaubnisprüfung stehen. Erst dann könnten die Begleiter während der Fahrt vorrangig Ruhepol und Berater und eben nicht Laienausbilder sein.

 

Jürgen Kopp erklärte in seinen abschließenden Worten, nun müsse abgewartet werden, was letztlich im Referentenentwurf der Bundesregierung stehen werde. Dann werde die BVF und ihre angeschlossenen Verbände nicht nur auf die Politik, sondern vor allem auch auf die Fachebenen der für die Umsetzung zuständigen Bundes- und Länderministerien zugehen und nachdrücklich versuchen, auf die endgültige Gestaltung der Reform Einfluss zu nehmen. Er dankte allen Anwesenden, dass sie nach Lindau gekommen waren und hob auch das große Interesse der anwesenden Pressevertreter hervor.
 

Jochen Klima

 

 

 

 


 

 

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